Tutti Frutti auf Koh Phayam

Hier sitzen wir nun, im Regen von Koh Phayam. So war das nicht bestellt oder ausgemacht, die Sonne sollte uns empfangen. Erstmals kommen also die mitgebrachten Regenjacken zum Einsatz, um zum Restaurant zu kommen, müssen wir quer durch die Anlage gehen, auch vorbei am Gemüsegarten, der uns bald einen großen Bestandteil des Abendessens spenden wird. Alles tutti frutti also!

Wir setzen uns an einen freien Tisch, 2 andere Familien haben sich ebenfalls im Restaurant eingefunden, und schmökern durch die uns gereichten Karten. Beim Gustieren bemerken wir auch die große Anzahl an Curries, die hier angeboten werden. Ja, wir haben bisher noch gar nicht über den Star unter den Thai Gerichten berichtet. Es gibt eine Vielzahl davon. Zum Beispiel das Green Curry. Bei allen Curries kann man sich aussuchen, ob es vegetarisch, mit Huhn, Schwein, oder Garnelen sein soll. Meistens wählen wir mit Huhn, aber auch oft einfach vegetarisch. Wenn es eine besondere Note bekommen soll, dann bieten sich Garnelen an.

Grünes Curry

 

Klassische Curries in Thailand

Das grüne Curry hat, im Unterschied zu den anderen Curries, eine leicht süßliche Note, ist aber gleichzeitig sehr scharf. Es besteht aus grüner Curry Paste, Kokosmilch, Fischsauce und Thai Melanzani/Auberginen, die klein und rund sind, nicht wie man sie in Europa kennt. Und natürlich Chilies, viele Chilies! In roten Curries hingegen finden sich getrocknete und frische rote Chilis und rote Currie Paste. Variieren können die Zutaten Tomaten und Paprika. In gelbe Curries gelangen neben den üblichen Zutaten meist Zucchini und Frühlingszwiebel, Basis ist diesmal die gelbe Curry Paste. Doch damit nicht genug, die Currywelt ist noch nicht zu Ende! Speziell sind das Paenang Curry und das Massaman Curry. Paenang ist, wenn es gut gemacht ist, viel cremiger und dickflüssiger als die anderen Curries, die Schärfe kommt dabei an die des Green Curries ran. Typischerweise besteht es aus Hühnerfleisch Zwiebel und Chili.

Paenang Curry
Paenang Curry

Das Massaman Curry ist das einzige mit Kartoffeln. Außerdem wird der Geschmack wieder mal durch Erdnüsse abgerundet. Zu allen Curries mögen wir eine Portion Reis dazu, alleine schon um die Schärfe ein bisschen abzufedern.

Soweit so gut, nun steht aber eine Entscheidung an, der Koch wetzt schon ungeduldig die Messer, um den Gemüsegarten ein bisschen kleiner werden zu lassen.

Wir entscheiden uns für das Paenang Curry, auch weil man das nur selten richtig gut bekommt. Hier haben wir den Eindruck, dass die Küche hervorragend ist. Da wir wie erwähnt hungrige Mäuler sind, ist es das natürlich noch nicht gewesen. Als „Beilage“ gönnen wir uns Morning Glory und ein Pad Thai mit Gemüse.

Der Koch notiert sich persönlich alles und schreitet in den Gemüsegarten. Trotz noch immer strömenden Regens. Wir können zusehen, wie er, mit einem großen machetenartigen Messer bewaffnet, durch die Beete streift und mit gekonnten Schwüngen das für unser Essen notwendige Gemüse erntet. Danach wird sogleich alles in der Küche verwertet. Frischer geht es also nicht! Da gut Ding Weile braucht, dauert die Zubereitung ein wenig. Das stört aber nicht, der Regen lässt andere Aktivitäten ohnehin nicht zu.

Etwa eine halbe bis dreiviertel Stunde später ist es dann soweit. Das Essen wird heiß und dampfend serviert. Wieder vom Koch persönlich, der es mit einem breiten Grinsen im Gesicht zu unserem Tisch bringt. Die Zubereitung macht ihm sichtlich Spaß. Nach ersten Verkostungen sind wir uns schnell einig, es ist alles hervorragend. Das Paenang Curry cremig wie es sein soll, versehen mit reichlich Hühnerfleisch und ein wenig Paprika. Und es ist richtig scharf. In Bangkok haben wir ja bereits einiges an Schärfe erlebt und uns daran wieder gewöhnt. Doch dieses Curry hier ist scharf, sehr scharf! Gut, dass wir auch die anderen Gerichte und Reis zum Neutralisieren bestellt haben.

Der Morning Glory ist der wohl frischeste und beste, den wir jemals bekommen haben. Verfeinert mit Zwiebeln und vielen Erdnüssen. Auch das Pad Thai ist köstlich, das gartenfrische Gemüse macht hier den Unterschied zu anderen Pad Thais.

Pad Thai
Pad Thai geht immer

Wir lassen uns also alles schmecken, belasten noch unsere Bierkassa mit 2 Abschlussbierchen und lassen den Tag auf unserer Hüttenveranda entspannt ausklingen. Insel, wir sind da.

Doch auch andere Küchen wollen von uns erkundet werden. Nicht erobert, wir würden die Zubereitungen mit Sicherheit nicht so schmackhaft hinbekommen. Deswegen sitzen wir gerne auf der richtigen Seite von Löffel und Gabel. Ca. 4 Gehminuten, die wir übrigens trotzdem mit unserem Moped in Angriff nehmen, Thaistyle, wofür haben wir es schließlich gemietet, von unserer Unterkunft entfernt, stolpern wir recht schnell über ein besonderes kulinarisches Dreieck. Da gibt es erstmal unsere bevorzugte Frühstücksbar. Es werden Eier in allen Variationen angeboten, Sunny Side Up, Scrambled, Omelette.

Frühstück ala Insel
Frühstück ala Insel

Wir wechseln uns dabei immer mit Spiegelei und Omelette, das mit frischem Gemüse ergänzt wird, ab. Es werden 3 Eier aufgetischt, pro Ei bezahlen wir 10 Baht, also ca. 25 Cent. Nachdem schon die Eier so überaus köstlich daherkommen, gönnen wir uns auch schon zum Frühstück eine Nachspeise. Pancake! Wahlweise mit Honig, oder mit Kokossirup. Naja, unser Frühstück findet meistens um 11 Uhr statt, das ist auch schon Nachspeisenzeit.

Bevor wir uns danach auf Inselerkundungen machen, brauchen wir nur die Straßenseite zu wechseln, um für unseren Proviant zu sorgen. Dort werden den ganzen Tag kleine verschiedene Spieße von einem Grillmeister über glühenden Kohlen gewendet. Wir lassen uns eine Hand voll davon einpacken, immerhin wollen wir am Nachmittag in der Einsamkeit der Insel nicht verhungern. Der Grillstand ist aber eigentlich nur der Ausläufer eines unscheinbaren, weil nach hinten positionierten Lokals. Hier müssen wir unbedingt abendessen. Gesagt getan.

Uriges Straßenbeisl
Uriges Straßenbeisl

Wir werden freudestrahlend begrüßt, es wird uns ein Tisch zugewiesen und es werden auch sofort Moskitoverscheucher in Brand gesetzt. Eine wichtige Tat, denn gerade während und kurz nach der Dämmerung wollen uns die kleinen fliegenden Ungeheuer regelmäßig zerfressen. Doch nicht hier. Wir können in Ruhe in der wirklich ausführlichen Karte schmökern. Die Küche ist zur Straße gerichtet und beim Anblick lässt sich kaum vermuten, welche Vielfalt an thailändischen Spezialitäten sich hier zubereiten lassen. Wir entscheiden uns diesmal für gebratenes Hühnerfleisch mit frischem Gemüse, Reis mit Spiegelei und außerdem noch gebratenem Reis mit Gemüse und Ei. Eine einfache, aber sehr gute Wahl. Die Küche ist nicht nur unscheinbar, es ist auch erstaunlich, in welcher Rekordzeit die Speisen zubereitet werden. Und das frisch, ohne vorkochen. Minuten später steht das Bestellte bereits auf dem Tisch.

Die Lage mitten auf der Insel an einer Straße, fernab von einem der Strände, garantiert auch echte Thaiküche. Keine Spur von touristischem Essen. Da uns unser Erstbesuch wirklich gut gefällt und vor allem das Essen vorzüglich ist, kommen wir hier öfter her. Der nächste Besuch bringt uns dann auch etwas sehr Typisches und auch selten zu Bekommendes auf den Tisch. Suppe mit Minced Pork, zerkleinertem Omelette und Gemüse. Thailändische Hausmannskost.

Unscheinbar aber unfassbar gut!
Unscheinbar aber unfassbar gut!

Auch hier beträgt die Wartezeit wieder nur wenige Momente, dann steht eine große, dampfende Schüssel vor uns. Neben uns steht immer noch der Kellner, der uns angrinst und zu warten scheint, bis wir vom Aufgetischten kosten. Der unausgesprochenen Aufforderung kommen wir gerne nach. Wir kosten. Mit heißer Suppe im Mund grinsen wir zurück, es schmeckt ausgezeichnet. Durch den beigefügten Koriander, wird der Geschmack in seiner Einzigartigkeit noch unterstützt. Wir löffeln alles fein säuberlich auf, übrig bleibt bei uns eigentlich sowieso nie etwas. Ganz im Gegenteil. Oft können wir nicht fassen, was auf Nachbartischen alles stehen gelassen und zurück in die Küche, oder besser gesagt in den Müll, geschickt wird. Wir sind dann immer kurz davor, uns über die Reste der verschwenderischen Ex-Gäste herzumachen. Noch verbietet uns dieses Vorhaben der innere Schweinehund. Noch.

Der dritte und letzte Teil des Dreiecks ist ein nicht minder köstlicher. Wir stolpern satt aus dem Straßenlokal, überhäuft mit wunderbarem Thaifood. Was erblicken unsere noch nicht so satten Augen? Einen Obststand! Auch hier lassen wir uns nicht zweimal bitten. Und das ist auch gut so. Denn was wir bekommen, ist eine der besten Ananasis (ist das der korrekte Plural?) die wir jemals gegessen haben. Auch die Bananen und Kokosnüsse müssen sich nicht verstecken. Ob als Nachspeise nach dem Frühstück, nach dem Abendessen, oder einfach als fruchtiger Snack zwischendurch, wir mögen das Obst „unseres“ Standes.

Ein paar hundert Meter weiter, in Richtung Strand, jedoch immer noch weit inmitten der Insel, folgen wir einer Empfehlung aus den unendlichen Weiten des Internets. Hier soll es ein vorzügliches, vegetarisches Restaurant geben, das ein wenig teurer, aber ökologisch sehr bewusst kocht. Das müssen wir uns ansehen. Auch hier gibt die Speisekarte einiges her. Auch wenn sie ein bisschen Skepsis in uns auslöst, denn es wird auch Pizza und Pasta angeboten, ein für uns eigentlich schlechtes Zeichen. Wir entscheiden uns für eine Herbal Salad Bowl, einem bunt gemischten Salat mit Mango und Cashewnüssen, sowie einem gelben Curry mit Gemüse. Die Zubereitung dauert hier etwas länger, das mag an der Komplexität der Salatzubereitung liegen.

Herbal Salad, eine vegane Köstlichlkeit
Herbal Salad, eine vegane Köstlichlkeit

Beide Speisen sind sehr nett angerichtet und was noch wichtiger ist, sie schmecken sehr gut. Die leeren Teller ein paar Minuten später sind unsere Zeugen. Beim Schmökern der Karte ist uns auch gleich diese eine Doppelseite mit den Süßigkeiten aufgefallen. Hier bieten sich Köstlichkeiten wie Chocklatebrownie, Raw Banana Cake, oder Lemon Cheesecake mit frischen Mangos und Erdbeersauce an. Wie sollen wir da widerstehen? Wir haben schon kurz überlegt, die Hauptspeisen zu überspringen und gleich mit den Desserts zu beginnen. Oder überhaupt nur Süßes zu essen. Dafür mehr. Zu spät. Aber Platz für einen Abschluss ist immer noch. Wir bestellen den Cheesecake. Und wir werden nicht enttäuscht, er ist himmlisch. Genau so gut wie die Beschreibung klingt.

Ohne Worte!
Ohne Worte!

Wen das kulinarische Heimweh plagt, kann sich hinter dem Ao Yai Beach sogar über echte italienische Holzofenpizza erfreuen, sie soll sehr gut sein. Wir machen das nicht und halten uns lieber an die einheimische Kost. Das ist schließlich unsere Mission.

Unser essenstechnisches Fazit von Koh Phayam: es ist nicht möglich hier viel falsch zu machen. Das Essen ist im Hinterland aber noch eine Spur besser als jenes, das direkt am Strand angeboten wird. Verhungern kann man hier auf jeden Fall nicht!

Tutti Frutti auf Koh Phayam