Myanmar – Verpflegung im Zug

Essen auf Schienen

Wer Zeit in Myanmar verbringt, sollte unbedingt auch mit dem Zug fahren. Nicht weil der Transport von A nach B so schnell vonstatten geht, sondern weil es noch ein echtes Erlebnis ist. Beginnend beim Ticketkauf, der auch in Restaurant ums Eck vonstatten gehen kann, wobei jedes einzelne Ticket noch handgeschrieben wird, über die schaukelnden Wagons mit ihren offenen Fenstern, die bei längerer Fahrt, bei der die beeindruckende Landschaft mit ihren Bewohnern vorbei zieht, den Eindruck einer Fotosafari machen, bis hin, und das ist für uns ein wichtiger Punkt, zur ausgedehnten Verpflegung in den Zügen. Es macht dabei einen großen Unterschied, ob man am Tag, oder in der Nacht in einem Schlafwagen reist.

Werden wir verhungern?

Ganz simple Antwort: Nein! Ganz egal wie lange eine Fahrt mit dem Zug dauert, es wird immer genügend zu essen geben. Das liegt einerseits daran, dass die Menschen in diesem Land extrem freundlich und offen sind und es ihnen scheinbar eine Freude ist, ihre mitgebrachte Verpflegung mit uns ausländischen Gästen zu teilen. Das kann von Snacks wie Erdnüssen, bis hin zu vorgekochten und in Plastikschüsseln portionierten Speisen wie frittiertes Huhn mit Reis, alles sein. Zwischendurch und mit viel Glück werden wir sogar gefüttert!

Iss das jetzt!

Die Gegenleistung ist ein Gespräch. Eine Auskunft darüber wie wir heißen und wo wir herkommen. Ob uns Myanmar gefällt, was wir bisher gesehen haben und was wir noch besuchen möchten. Das hat mehrere Vorteile. Erstens bekommen wir auf diesem Wege wirklich typisch einheimisches, hausgemachtes Essen das wir probieren können. Zweitens bekommen wir von den edlen Essensspendern wertvolle Tipps über ihr schönes Land serviert.

Der andere Grund im Zug nicht verhungern zu müssen, sind die fliegenden Händler. In Asien, so auch hier in Myanmar, ist es weit verbreitet, dass sobald sich der Zug in einer Haltestelle befindet, eine Reihe von mobilen Essenshändlern die Wagons besteigen. Sie fahren dann bis zum nächsten, oder übernächsten Bahnhof mit und versorgen in dieser Zeit die Fahrgäste mit ihren Köstlichkeiten. Es ist immer für Spektakel in Zügen gesorgt. Im Minutentakt fliegen die Verbindungstüren auf und ein neuer Duft steigt, begleitet von lauten Rufen, in unsere Nasen. Die Rufe verstehen wir naturgemäß nicht, doch sie preisen ohne Zweifel das mitgebrachte Essen an. Langweilig wird es nie, zu abwechslungsreich ist das Geschehen, in das sich neben den mobilen Streetfoodanbietern auch Sänger und Musikanten mischen, die sich auf diese Art und Weise ein Zubrot verdienen, rund um uns.

Das Angebot

Doch was kann man sich bei solch einer Zugfahrt an Essen erwarten? Schmeckt das auch? Ist es hygienisch? All diese Fragen tauchen vermutlich bei nicht sehr erfahrenen Asienreisenden auf. Die Antwort lautet: Ja! Die angepriesene Kulinarik ist verhältnismäßig vielfältig. Alles was es irgendwie zulässt transportiert zu werden, schafft auch den Weg in den Zug. Der Transport selbst erfolgt dabei meist auf den Köpfen der Händler. Das ist platzsparend, die Gänge in den Wagons sind bekanntermaßen nicht die breitesten. Und es ist in Myanmar üblich den Kopf als Transportmittel einzusetzen.

Frittiertes

Von kalt über warm, süß bis pikant ist alles dabei. Viele Speisen sind sehr einfach gehalten. So wird bei jeder Zugfahrt eine Menge Frittiertes angeboten. Frühlingsrollen, Samosas, frittierter Tofu, ähnlich wie bei den MOBILEN FRITTIERSTÄNDEN IN YANGON, nur dass nicht vor Ort und Stelle frittiert wird. Doch es lassen sich nicht nur die Klassiker frittieren. Wasserspinat mit Shrimps? Das klingt doch eher wie in einer gehobenen Küche, oder? Nein, du kannst es auch im Zug genießen. Der Spinat und die Shrimps werden vermengt und daraus kleine Scheiben geformt. Diese Scheiben wandern direkt in das heiße Frittierfett, bis die Einheit fest und knusprig ist. Nun kann das kleine Kunstwerk in den Zug und den hungrigen Mäulern angeboten werden.

Frittierter Wasserspinat mit Shrimps

Nudeln

Doch auch frisch zubereitete Nudeln lassen sich perfekt im Zug genießen. Wenn auf einem großen, sich auf dem Kopf befindlichen Tablett ein paar über den Rand hängende Nudeln zum Vorschein kommen, musst du dich unbedingt hungrig bemerkbar machen. Diese Köstlichkeit darf nicht ungekostet weiter ziehen. Die Verständigung funktioniert mit Händen und Füßen, in den meisten Fällen ist aber schnell klar was man möchte. Die Portion Nudeln wird direkt vor uns essensfertig gemacht. Zur Hilfe kommen einfache und praktische Gerätschaften wir eine Schere, die beiden verschiedenen Arten von Reisnudeln tellergerecht zerteilt. Die vorbereitete und mitgebrachte Sauce aus Tomaten, Huhn, Zwiebel, Knoblauch, Chili, Ei und Zitronensaft wird portioniert und mit Hilfe der Hand unter die Nudeln gemengt.

Wichtig dabei: es kommt die rechte Hand zum Einsatz, mit der auch gegessen wird. Die linke Hand gilt als unrein. Jeweils vor und nach dem Gemenge wird die Hand in einer mitgebrachten Wasserschüssel gereinigt. Und schon ist die bestellte Mahlzeit verzehrfertig. Diese Nudeln sind, auch wenn sie der Einfachheit halber kalt serviert werden, das mit Abstand beste Zugessen, das wir jemals hatten! Bei Gelegenheit musst du sie unbedingt probieren!

Obst

Auch für den süßen Gaumen wird ausreichend gesorgt. Obsthändler sorgen für ein fruchtiges Angebot. Meistens werden bereits vorgeschnittene Ananas und Wassermelonen angeboten. Die ortstypische Verzehrweise der Ananas ist dabei besonders spannend. Da es den Gästen nicht zumutbar ist, auch nur den kleinsten Teil der Schale auf dem überaus süßen Obst vorzufinden, wird die Ananas sehr kunstvoll in 4 Teile geschnitten. An deren Oberfläche entsteht eine Art kantiges Ananasrelief.

Die Verkaufseinheit ist eine Viertelananas. Doch sie wird nicht einfach so übergeben. Bevor sich die Zähne in das reife Früchtchen verbeißen, wird es noch mit dem Saft einer frischen Limette und Salz versehen. Ja, Salz. Klingt ein wenig seltsam, das Geschmackserlebnis wird aber tatsächlich besonderer. Der sehr süße und reichlich vorhandene Saft der Ananas vermischt sich gleichzeitig mit sauer und salzig. Drei Geschmäcker befinden sich auf einmal im Mund. In Thailand wird zum Beispiel so gekocht, es sind immer süße, saure, salzige und scharfe Teile im Essen. Fehlt hier eigentlich nur noch eine Chili. Doch das wäre des Guten wohl zu viel. Über diese fruchtige Erfrischung freuen im Zug sich Alt und Jung. Wir können es verstehen!

Nachtzug = Tagzug?

Jein. Also in der Form wie am Tag gibt es durchaus Unterschiede in der Verpflegung. Das liegt daran, dass der Schlafwagen in Myanmar komplett anders aussieht als der normale Tageswagon. Im Unterschied zu Indien oder Thailand zum Beispiel, wo der Tageswagen einfach zum Schlafplatz umgestaltet wird. Hier allerdings teilen sich lediglich 4 Personen einen halben Wagon, der noch dazu völlig abgegrenzt ist. Das heißt es gibt einen Eingang, der gleichzeitig auch als Ausgang fungiert.

Es gibt keine Verbindungstür zum benachbarten Wagon, oder zu den eigenen Nachbarn im gleichen Wagon. Deswegen wird es auch für die fliegenden Händler unmöglich ihr angebotenes Essen vorbeizubringen. Was natürlich immer möglich ist, ist auf den Bahnhöfen, an denen der Zug hält, sich selbst das jeweilige Essen zu besorgen. Entweder gleich direkt durch das Fenster, oder durch Verlassen des Zuges. Doch Achtung, nicht zu weit weg gehen, die Züge setzen ihre Fahrt recht abrupt wieder fort. Nicht dass noch jemand aufgrund unseres Rates verloren geht!

Es gibt keine Verbindungstür zum benachbarten Wagon, oder zu den eigenen Nachbarn im gleichen Wagon. Deswegen wird es auch für die fliegenden Händler unmöglich ihr angebotenes Essen vorbeizubringen. Was natürlich immer möglich ist, ist auf den Bahnhöfen, an denen der Zug hält, sich selbst das jeweilige Essen zu besorgen. Entweder gleich direkt durch das Fenster, oder durch Verlassen des Zuges. Doch Achtung, nicht zu weit weg gehen, die Züge setzen ihre Fahrt recht abrupt wieder fort. Nicht dass noch jemand aufgrund unseres Rates verloren geht!

Läuft man also Gefahr in einem Schlafwagen zu verhungern? Nein! Denn ein eigens für den Schlafbereich abgestellter Kellner, der sich zu Beginn der Reise auch namentlich vorstellt und alles erklärt (wenn man das angewandte Englisch versteht), sorgt für reichlich kulinarische Abwechslung. Es gibt zahlreiche Abendessen- und Frühstücksvariationen, die alle immer irgendwas mit Reis zu tun haben. Entweder ergänzt durch Gemüse, Huhn, oder beidem. Beide Mahlzeiten werden jeweils um 19, bzw. 7 Uhr serviert. Wer noch immer Hunger hat, muss aber nur dem umsichtigen Kellner Bescheid geben.

Der besorgt dann immer Bahnhofsköstlichkeiten von den fliegenden Händlern, oder von fixen Garständen an den Bahnsteigen. So oft man möchte und so oft der Zug hält. Doch keine Sorge, das passiert ausreichend oft. Auch der Biernachschub ist gesichert. Wir haben zum Beispiel vereinbart, dass wir gerne stündlich ein neues Bier hätten, wenn es die Stopps zulassen. Das geschieht dann so lange, bis man selbst stop sagt. Nach dem vierten Stopp haben wir es gut sein lassen.

Doch Achtung: Diese doch sehr komfortable Verköstigung hast auch ihren Preis. Natürlich immer noch asiatisch niedrig, doch im Vergleich zu den sonstigen Preisen ist ist er recht hoch angesiedelt.

Preise

Die Preise für die von fliegenden Händlern angebotenen Speisen sind wirklich extrem günstig. Das Billigste ist Frittiertes, da ist man teilweise bereits mit 500 MMK (30 Cent) dabei. Alles Andere pendelt sich bei etwa doppelt so viel ein, also 1.000 MMK (60 Cent).

Im Nachtzug ist die Situation eine andere. Hier kosten 4 Speisen, also zwei mal Abendessen und zwei mal Frühstück, in Verbindung mit 4 Bier 39.000 MMK (22 Euro). Das ist für europäische Verhältnisse natürlich nicht viel, aber gerade im Vergleich zu den Preisen im Tageszug sind 22 Euro doch recht viel. Also wenn du ein enges Budget hast, Vorsicht!

Tipps rund um das Zugfahren in Myanmar

TIPP 1: Um das Zugerlebnis unter vielen wirklich extrem freundlichen Einheimischen und mit all den fliegenden Händlern zu erleben, solltest du wenn möglich die billigste Klasse, die Holzklasse, wählen. Hier ist das Zugfahren authentisch und du kannst völlig in die Welt des Zuges, die sich so sehr von westlichen Reisen unterscheidet, eintauchen. Tausche einfach ein wenig Komfort mit unvergesslichen Erlebnissen.

TIPP 2: Auch wenn einige Speisen unbekannt sein mögen, probier sie einfach. Es ist wirklich fast alles sehr schmackhaft und es wäre schade all die Köstlichkeiten nicht zu genießen. Die Hygiene ist meistens besser, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Vor allem bei frittierten, oder gekochten Speisen.

TIPP 3: Handeln ist in Zügen nicht üblich. Erstens sind die Preise schon derartig tief angesiedelt, dass es gar nicht notwendig ist, zweitens wirst du immer fair behandelt werden und gleich viel wie Burmesen bezahlen. Bedenke auch immer, dass fliegende Händler nicht gerade die Reichsten sind.

TIPP 4: Bahnhöfe sind oft nicht in den eigentlichen Ortschaften, außer in großen Städten wie Yangon. Das heißt es ist oft nicht möglich direkt beim Bahnhof ein Ticket zu kaufen. Um überteuerten Vermittlungsbüros aus dem Weg zu gehen, frag doch einfach mal beim Abendessen im Lokal deines Vertrauens nach. Wir sind sicher, es wird dir geholfen. Tickets im Vorfeld sind auch wichtig um zu wissen wann der Zug eigentlich fährt, Fahrpläne sind nicht leicht zu finden.

TIPP 5: Wenn du leicht seekrank wirst, nimm unbedingt eine Tablette vor einer Nachtfahrt. Die Wagons schaukeln sehr kräftig.

TIPP 6: Einsteigen, losfahren, in eine andere Welt eintauchen und genießen!

Myanmar - Verpflegung im Zug