Nachtmarkt Bangkok

Märkte und Nachtmärkte gibt es ja viele in Bangkok, doch als wir so ein bisschen nach einem uns bisher Unbekannten recherchieren und Ausschau halten, stoßen wir auf ein wahrliches, kulinarisches Juwel  an Nachtmarkt – den Ratchada Rot Fai Night Market.

Ratchada Rot Fai Night Market

Bekannter und auch sehr beliebt ist der Chatuchak Weekend Market, der aber, wie es der Name schon verrät, nur wochenends seine weitläufigen Pforten öffnet. Er wartet zwar mit diversen, sehr verlockend duftenden Essensständen auf, jedoch sind die Preise sehr auf Touristen ausgerichtet. Da kann es schon mal passieren, dass für ein Curry umgerechnet 6 Euro verlangt werden. Das mag jetzt für die europäische Geldbörse noch immer nicht viel sein, für thailändische Verhältnisse ist es das aber.

Der Ratchada Rot Fai ist dabei gar nicht mal soweit vom Chatuchak entfernt. Wir nehmen die MRT (U-Bahn), sparen uns im Vergleich zum Weekend Market ganze 6 Stationen und lassen uns direkt vor den Eingang bringen.

Zur frühabendlichen Stoßzeit, zu der wir erscheinen, müssen wir uns dazu auch gar nicht großartig bewegen, wir geraten in einen Menschensog und lassen uns einfach mitspülen. Hinein in die engen, kleinen Gässchen, in denen Marktbeschicker links und rechts gleichzeitig ihre teils bunten, teils glitzernden, teils weichen und schicken Waren anpreisen. Auch Kuriositäten wir mörderische Zombiepuppen werden angeboten. Die Herzen der Horrorfans schlagen bestimmt höher.

Einfach zum Liebhaben

Der Nachtmarkt besteht nämlich nicht nur aus einer Essensabteilung, wenngleich diese ungefähr die Hälfte des gesamten Areals einnimmt. In der zweiten Hälfte machen sich aber auch Händler mit ihren Ständen breit. Diese Mischung bietet eine willkommene Abwechslung wenn man sich entweder an den Waren satt gesehen, oder an den Köstlichkeiten satt gegessen hat. Wir starten erstmal im Warenbereich. Unfreiwillig. Der Sog zieht uns hinein. Wir sind zwar zum Abendessen gekommen, doch ein wenig die Blicke über das Treiben schweifen zu lassen ist auch kein Nachteil. Zumindest steigert sich der Appetit noch mehr. Der Markt ist wie ein großes Gitternetz, das von einem straßengewordenen Rahmen, in dem fixe, geschäftsartige Stände besucht werden können, umgeben wird, angelegt. Die ca. 10 bis 15 Reihen verlaufen somit alle parallel nebeneinander her. Wir schieben uns durch 3 lange Gässchen bis wir aus dem immer weiter drängenden Strom ausbrechen. Als wir in der thailändischen Abendhitze so einigermaßen gierig an unserer zum Glück kalten Wasserflasche nuckeln, bemerken wir das abnehmende Interesse der Besucher am Essensbereich. Gut, es ist jetzt auch schon 21.30, das große Fressen scheint erst mal beendet zu sein. Das ist unser Startsignal.

Must Try: Coconut Ice & Mango & Sticky Rice

Wir rollen das Feld von hinten auf. Und es ist nicht irgendein Eis. Es ist das beste Kokoseis, mit frischer Mango, Sticky Rice und Erdnüssen, der Welt. Bestimmt! Noch dazu wird das Gesamtkunstwerk in einer zuvor ausgehöhlten Kokosnuss, die auch noch viel von ihrem Fleisch mit im Gepäck hat, serviert. Die Bestellung, bei der wir gefragt werden welche Zutaten wir möchten (das ist einfach, natürlich einmalmitalles), ist schnell aufgegeben, nun heißt es warten. Mit leuchtenden Augen bauen wir uns wie kleine Kinder vor der großen Eisschüssel auf, sehen zu wie unsere Portion sorgfältig zubereitet wird, um sie nur wenige Augenblicke später in Empfang nehmen zu können.

Coconut Ice

Zum Glück bekommen wir zwei Löffel dazu, sonst wäre Streit vorprogrammiert. Ein paar Schritte neben der Eisausgabe lassen wir unser Esswerkzeug durch frisch geschnittene, saftige Mangos, vor Kälte dampfendes Kokoseis und klebrigen, süßlich schmeckenden Reis gleiten. Mmmmmmmh! Die Augen leuchten immer noch, die Münder sind eisverschmiert. Wenige Augenblicke später ist das süße Kalte auch schon wieder Geschichte. Wie Piranhas machen wir uns noch über das Nussfleisch her, übrig bleibt die harte Schale, die ist selbst uns zu ungenießbar. Es gibt auch für uns Grenzen.

Vorspeisen

Der süße Auftakt war verheißungsvoll, nun sind wir bereit für Pikantes. Und auch hier ist die Auswahl groß. Zu groß. Es ist uns leider nicht möglich alles zu probieren, auch wenn wir gerne würden. Das Essensteilen ist wieder sehr wertvoll, mit nur einer gemeinsam geteilten Portion kommen wir deutlich weiter. Und das ist gut so. Denn der Markt gibt einiges her. Das Schöne dabei, zu extrem vernünftigen Preisen, die hier nur ein wenig höher als außerhalb des Marktgeländes liegen. So weit so gut. Wieder schärfen wir unsere jagenden Blicke. Sie streifen alle Arten von Spießen, Huhn, Schwein, Fisch, Tofu, Gemüse, gegrillt, frittiert, alles ist möglich. Nicht nur beim Lotto. Es wird Ausgefallenes, wie kleine, sunny side up Wachteleier in Styroporschüssel, oder Austern in Krabbe, aber auch Altbekanntes wie Chicken Udon Noodle Soup und Dim Sum, also kleine, gedämpfte Teigtaschen mit verschiedenen Inhalten, angeboten.

Chicken Udon

Wir entscheiden uns schließlich für die beiden Letztgenannten. Natürlich nicht gleichzeitig. So gierig sind wir auch wieder nicht. Aber hintereinander. Wir beginnen die pikante Reise mit Suppe. Die Auswahl an diesem Stand ist leicht, es gibt nichts anderes. Gesagt, bestellt. Schon kurze Zeit später steht eine dampfende, recht groß wirkende Suppenschüssel am Tisch. Daneben ein silbernes Tablett, wie es sich für solch edle Gäste gehört. Am Silbertablett serviert wird uns Koriander, Basilikum und Sproßen. Das gehört einfach dazu. Wir zupfen ein paar Blättchen ab und werfen sie in die heiße Suppe, so wird der Geschmack noch feiner. Der Suppentopf sieht nicht nur große aus, er ist es.

Unterhalb der heißen Oberfläche verbirgt sich ein ganzes Hühnerbein, ein großer Berg Reisnudeln, gehackte Erdnüsse und geleeartiges, gestocktes Hühnerblut. Ja richtig gelesen. Es ist in der Tat ein wenig gewöhnungsbedürftig, schmeckt aber, wenn man sich drüber traut, dann gar nicht mal so schlecht wie es klingt. Am Ende des Suppenvergnügens macht sich unser Hunger auch bereits in Richtung wohlverdienter Nachtruhe.

Dim Sum

Doch so schnell kommt er uns nicht abhanden, noch lassen wir ihn nicht Richtung Heimat aufbrechen. Immerhin essen sich die gedämpften Teigtaschen nicht von alleine. Wir zwingen ihn uns noch ein wenig standabwärts zu begleiten, zum Glück wird nicht allzu weit von der Suppe gedämpft. Die Auswahl besteht diesmal aus Shrimp, Pork, Chicken, oder Corn. Chicken hat sich bewährt, also nehmen wir abermals das Huhn. Hier dauert die Wartezeit noch kürzer. Nachdem sich genau neben uns ein riesiger Bambustopf, in dem die einzelnen, kleinen, mit den unterschiedlichen Zutaten gefüllten Teigbällchen heiß gemacht werden, öffnet, wandert unsere Bestellung in einen kleinen Pappbecher.

Garniert mit kleingeschnittenen, gerösteten Zwiebeln, überreicht uns der freudestrahlende Koch persönlich sein Werk. Hier ist das Fast Food nicht nur wirklich schnell, sondern auch äußerst schmackhaft. Mit unseren beiden Stäbchen spießen wir abwechselnd ein Bällchen nach dem anderen auf und vernaschen es. Schnell ist der Becher leer. Der Koch steht immer noch daneben und betrachtet uns. Als er bemerkt, dass wir von seinen Dämpfkünsten angetan sind, verbreitert sich sein ohnehin schon großes Grinsen noch mehr. Er ist zufrieden. Wir auch. Weiter geht’s

Schwerpunkt Seafood

Ein wirkliches Highlight, in das wir uns nur noch passiv stürzen, darf aber nicht unerwähnt bleiben. Seafood. Für Liebhaber von Früchten aus der tiefen, blauen, salzigen See tut sich hier ein wahres Paradies auf. Riesige Hummer, große Muscheln, alle Arten von ganzen Fischen, die teilweise in Salzkruste auf heißen Kohlen zu einem geschmacklichen Erlebnis gegrillt werden, Austern, Tintenfische, alles wird gekocht und gebraten.

Ganze, extrem große, gemischte Fischplatten stehen zur Auswahl, die ein unglaubliches Preis-Leistungs-Verhältnis an den Tag legen.  Das Highlight des Highlights ist aber die Essensweise der marinierten Meeresfrüchte. Alle Tische sind mit durchsichtigen Plastiktischtüchern bespannnt, an den freien Plätzen liegen zudem gleichartige Plastikhandschuhe bereit, die die hungrigen, fischgierigen Gäste bei Belagerung des Tisches anlegen müssen. Ein Szenario fast wie in einem Horrorfilm. Schnell tauchen bei diesem Anblick vor unserem geistigen Auge Szenen aus dem Horrorklassiker „Hostel“ auf. Auch dort schützten sich die blutrünstigen Protagonisten mit Plastik, um halbwegs sauber aus der mörderischen Sache wieder raus zu kommen. In diesen Gedanken verloren, hören wir plötzlich einen Kellner laut rufen. Wir mögen aus dem Weg gehen, damit er wartenden, bereits in Plastik gehüllten Gästen ihr bestelltes Essen auftischen kann. Auftischen trifft es diesmal. Denn das zubereitete, mit roter Sauce marinierte Seafood landet direkt auf dem Tisch. Kein Teller, keine Schüssel. Tisch. Daneben ein an einen Sektkübel erinnerndes Gefäß, das für die entstehenden Fischabfälle gedacht ist. Los geht das Gewühl. An besagtem Tisch beginnen acht Hände im Fischgericht zu wühlen. Es wird zerteilt, abgeputzt, umgerührt, schließlich auch gegessen. Ein wahres Spektakel, sowohl passiv für uns und wohl auch in aktiver Rolle direkt an der Fischfront.

Nachtmarkt in Bangkok

Belustigt und vom Zuschauen noch etwas satter, treten wir unseren Heimweg an. Vorbei am zweiten aber letzten Kokosnusseis des Tages, das ein darüber glückliches 32-jähriges kleines Mädchen noch abstaubt, begeben wir uns zurück zur MRT und folgen unserem bereits länger abgereisten Hunger in unsere schon auf uns wartende Unterkunft.

Doch eines wissen wir, beim nächsten Bangkok Aufenthalt kommen wir bestimmt wieder!

Nachtmarkt Bangkok