Indien für Anfänger: Unsere Tipps

In etwas 7 Flugstunden erreichst du bereits den riesigen Subkontinent. Dort angekommen, öffnen sich dir jedoch gleichzeitig die Türen in einen völlig anderen Kosmos, eine andere Welt. Das betrifft fast alle Lebensbereiche, so auch den des Essens. Nicht nur die Kulinarik ist eine komplett andere, wie du beim Beitrag Essen quer durch Rajasthan nachlesen kannst, auch das entsprechende Verhalten könntest du als dir fremd betrachten. Deshalb gibt es hier einen kleinen Indien-für-Anfänger-Ratgeber!

Nach vier längeren Aufenthalten in fast allen Teilen Indiens über ein halbes Jahr, haben sich einige für dich wertvolle Erfahrungen angesammelt, die wir dir gerne weitergeben!

Die linke und rechte Hand

Das Wichtigste zuerst: Fast alles wird in Indien mit der Hand gegessen, Besteck (Gabel und Löffel) wird eigentlich nur für Fremde gereicht. Wenn du als Fremder doch kein Besteck bekommen solltest, ist es wichtig niemals mit der linken Hand in den vor dir stehenden und duftenden vollen Teller zu greifen! Die linke Hand gilt als unrein und wird nur für Toilettengänge verwendet um das fehlende Toilettenpapier zu ersetzen. Logisch, dass du danach nicht einfach in dein Curry greifen kannst!

Doch wie sollen all die fast flüssigen Curries mit der Hand den Weg in den Mund finden, wirst du dich vermutlich fragen. Nun, dafür werden entweder Reis oder indische Fladenbrote wie Naan oder Roti verwendet. Zu den bestellten Curries, die in kleinen Metallschüsseln daher kommen, wird auch immer ein extra Metallteller mitgeliefert. Du könntest zwar auch gleich aus der Schüssel essen, jedoch nicht mit der Hand, das funktioniert nicht. Auf dem Zusatzteller wird vom gelernten Inder daher alles mit Reis vermengt, oder das Fladenbrot als eine Art Schaufel verwendet. Beide Varianten sehen eine Benutzung von eigentlich nur 3 Fingern vor, Zeige- und Mittelfinger zum Mischen, Daumen zum in den Mund Schieben. Das sieht allerdings leichter aus als es ist, also mach dir nichts daraus, wenn bei den ersten Versuchen wieder mehr am Teller als im Mund landet.

Sauberes Händchen

Indien ist nicht gerade als sauberes Land bekannt. Mülleimer sind immer noch nicht weit gestreut, die Straßen sind eher schmutzig. Wenn du daher in den Genuss mit der Hand zu essen kommst, oder wenn es dir sowieso ein Anliegen ist, wasche dir unbedingt vorher die Hände! Ansonsten läufst du Gefahr, dir den angesammelten Schmutz, vor allem von den abgegriffenen Geldlappen, oder auch Türklinken direkt in dein Essen zu mischen. Waschbecken und Seife dafür gibt es in jedem Lokal, zur Not reicht auch Desinfektionsmittel.

Hände waschen in Indien
Waschbecken findest du eigentlich überall

Hygiene

Auch wenn manche Lokale, oder vor allem Streetfoodstände, vor allem im westlichen Vergeleich, noch so dreckig aussehen mögen, dem ist in der Regel nicht so. Am besten orientierst du dich an den Einheimischen. Wenn viele Menschen in einem Lokal sitzen, oder sich bereits für das 7. Aloo Tikki anstellen, dann kannst du nicht viel falsch machen. Die Qualität und die Hygiene werden passen. Gerade bei der Dichte des kulinarischen Angebots sorgt dafür, dass sich schwarze Schafe selbst keinen Gefallen tun.

Sobald etwas gebacken, oder frittiert wird, wie es bei Streetfood sehr oft der Fall ist, ist die Gefahr sich den Magen zu verrenken extrem gering. Wir hatten in all der Zeit kein einziges Problem aufgrund des Essens. Wenn dein Magen grundsätzlich empfindlich ist, gelten  folgende einfache Regeln: Schäle dein Obst, iss nicht zu scharf, meide Eiswürfel und Leitungswasser (oder frag ob ein Wasserfilter für Eiswürfel benutzt wurde, diese verbreiten sich in den letzten Jahren ziemlich rasch im ganzen Land und sorgen für reines Trinkwasser!)

Indien für Anfänger: Hygiene
Streetfood in Indien ist hygienischer als es oft aussieht!

Gemeinsam statt einsam

In Indien wird auf das gemeinsame Essen viel Wert gelegt. Das spiegelt sich einerseits darin wieder, dass gerne gesellig, Vorzugsweise beim Abendessen, zusammengesessen wird. Andererseits gilt ein bestelltes und angerichtetes Essen auch als Allgemeingut. Im Westen sind wir es gewohnt, eigene Gerichte zu bestellen, die auch nur der bestellenden Person gehören und auch alleine aufgegessen werden. Meistens ist maximal Kosten erlaubt, manche reagieren selbst auf solch eine Anfrage gereizt. Der Futterneid macht sich schnell breit. Nicht so in Indien.

Das bestellte Essen wird in der Mitte des Tisches platziert, alle anwesenden bekommen den schon beschriebenen metallischen Mischteller und langen dann nach Gaumenslust bei jedem Gericht zu. So ist es möglich, gleichzeitig viele verschieden Dinge genießen zu können. Wenn du also an einen Tisch mit Indern gerätst, oder zum gemeinsamen Essen aufgefordert wirst, sei nicht erstaunt, wenn alle von deinem Tellerchen naschen. Mach es einfach genau so!

Das kleine Bäuerchen

Wenn dir nach dem bereits dritten Curry, weil es ja so köstlich schmeckt, ein Rülpser auskommt, macht das nichts! Ganz im Gegenteil – es wird sogar als normal angesehen. Dasselbe gilt übrigens auch für Spucken und sich bei offenem Mund mit den Fingern die Speisereste aus den Zähnen zu holen. Wenn du endlich mal die westlichen Gepflogenheiten ablegen möchtest, nur zu, hier ist deine Chance! Sei aber auch nicht verwundert, wenn Inder am Nebentisch genau das auch tun. Sowohl Männer als auch Frauen!

Das Näschen säubern

Dich hat eine der auf gefühlte minus 16 Grad eingestellten Klimaanlagen selbst bei 35 Grad Außentemperatur verkühlen lassen? Du musst dir öfter die Nase putzen? Nur zu, aber bitte auf keinen Fall beim Essen! Verstopfte Nasen können vorkommen. Doch entleere sie nie bei Tisch in einem Restaurant! Das gilt als ähnlich unrein wie mit der linken Hand zu essen. Nicht ganz so arg, aber doch auch!

Die kleine Neugier

Inder sind sehr neugierige Menschen. Sie interessieren sich für andere. Vor allem wenn sie so fremd  und westlich aussehen. Sei also immer dazu bereit, dass du in ein ausführliches Gespräch verwickelt wirst, in dem du erklären musst woher du bist (Austria ist übrigens in 90% aller Fälle Australia, und das nicht nur in Indien), wie lange du bleibst, welche Orte du besuchst, wie viele Söhne (ja, nicht Kinder) du hast, was dein Vater macht, wie deine Katze heißt. Du kannst alles aber gerne auch mit vollem Mund und rülpsend erörtern.

Nach dem Essen gibt es dann sicher noch den Wunsch nach einem gemeinsamen Foto (das passiert übrigens auch in anderen Situationen ständig).

Indien für Anfänger: Foto immer und überall
Ein kleines Foto zwischendurch schadet ja nicht

Regionale Unterschiede

Wenn du unseren Beitrag über das Essen in Rajasthan gelesen hast, kennst du bereits viele indische Gerichte. Doch Achtung, dieser Bericht bezieht sich rein auf Nordindien. Das Essen im Norden unterscheidet sich grundlegend vom Essen im Süden Indiens, geographisch alles südlich von Goa. Im Norden ist das Essen eher mild, auf keinen Fall richtig scharf. Wenn du es scharf möchtest, kannst du einfach mit Chilipaste oder frischen Chilis nachwürzen. Die Speisen im Süden sind hingegen erstens unterschiedlich, zweitens auch sehr viel schärfer!

Großes Land, viele Unterschiede!

Thali in Indien
Nordindisches Thali – Das Essen ist im Norden ganz anders als im Süden

Zähneputzen mal anders

Nachspeisen gibt es natürlich auch in Indien. Mit kleinen Kokosbällchen, oder auch üppigen, extrem süßen Torten, in denen mehr Zucker als sonst etwas verarbeitet wird, kannst du dir den Magen schließen. Wenn noch so viel Platz ist. Es gibt aber auch eine andere Möglichkeit, die noch dazu viel gesünder ist. Anis mit Zucker, genannt Mukhwas, gilt als Süßigkeit und Verdauungshilfe zugleich.

Mukhwas in Indien
Anis, Zucker, die Rechnung – eine indische Nachspeise

Der Zucker ist kleinwürfelig im Anis vermischt und ist entweder pur, oder der Anis wird mit bunten Zuckerhüllen überogen. Bunt von den beigemengten Aromen wie Pfefferminz oder Rosenöl. Mukhwas erfüllt also den Nachspeisen- und den Zahnputzzweck im Sinne von frischem Atem gleichzeitig. Das beste dabei: Mit der Rechnung wird meistens automatisch Mukhwas gratis mitgeliefert. Danach solltest du nicht vergessen mit Wasser zu spülen!

Du bist fertig – du gehst

Wer kennt die Situation nicht. Ein Abend im Restaurant, der mit einem gemütlichen Essen beginnt und dann im Anschluß mit mehreren Bierchen, Flaschen Wein, oder Cocktails verlängert wird. Man ist ja gesellig und sitzt gerne lange zusammen. Komm nicht auf die Idee das auch in Indien zu machen! Hier erfüllt das Restaurant oder das Lokal nur einen Zweck: Essen! So lange du das tust, bist du gerne gesehen, wenn du fertig bist, gibt es für dich aber auch keinen Grund mehr länger zu bleiben. Zumindest aus Sicht der Wirte.

Das wird dir auch ganz klar verdeutlicht, indem du sofort nach dem letzten Bissen unaufgefordert die Rechnung präsentiert bekommst. Komm gerne herein, iss viel und dann verschwinde! Wobei es die Inder nicht böse meinen. Sie wollen deinen Platz auch nicht für andere, neue Gäste haben. Allein, es fehlt ihnen die Vorstellungskraft, dass du nach dem Essen noch bleiben wollen würdest. Du bist ja fertig und sie sind keine Bar, auch wenn Getränke grundsätzlich angeboten werden. Mach es dir also, nachdem du dir den Bauch vollgeschlagen hast, lieber in einer echten Bar, oder auf deiner Dachterrasse gemütlich!

Buy 2 get 1

Vor allem in Lebensmittelgeschäften wirst du öfter diese Botschaft lesen. Da stimmt doch was nicht, oder? Sollte das nicht umgekehrt sein, wirst du dir denken. Ja sollte es! Ist es eigentlich auch. Für die Inder ist so ein Hinweis verständlich, westliche Reisende werden bei so einem verlockenden Angebot jedoch schnell das Weite suchen! Solltest du aber nicht, denn was wirklich gemeint ist, ist „buy 2 and get 1 free“. Also 2 + 1 gratis. Aus unerfindlichen Gründen steht das aber nicht dabei. Wozu auch, wenn die Botschaft doch so „klar“ ist?

Buy 2, get 1 – what else!

Bestell auf keinen Fall Rind

Der Großteil der Inder ist hinduistisch. Im Hinduismus gilt die Kuh als heilig. Die Kuh wird geschützt, sie ist unantastbar. Sie gilt als eine Mutterfigur, als Lebensspenderin, die der Menschheit 5 Gaben bringt: Ghee, also Butterschmalz, einerseits zum Kochen, andererseits für religiöse Zeremonien, Mist als Brennmaterial und Baustoff, Urin als heilende Wirkung, Milch für die Chai Herstellung und den Paneer, sowie Joghurt für die Lassi Herstellung.

Wenn es dich also nach einem Steak lüstet, warte bis du wieder zu Hause bist!

Kühe überall
Kühe sind einfach überall

Kühe gehören übrigens mindestens gleich zum indischen Straßenbild, wie Tuk Tuks. Sei also nicht verwundert, wenn Kühe mitten im Verkehr stehen, gehen, oder liegen, oder sie mal in einem am Straßenrand befindlichen Lokal dir beim Essen zusehen.

Kingfisher – Vorsicht vor dem flüssigen Vogel

Jedes Land hat seine Biersorten. In Indien gibt es ein alles überstrahlendes Bier, Kingfischer. Benannt nach dem schillernden Vogel, der in Indien und anderen Teilen Asiens heimisch ist und auf dem Flaschenetikett große abgebildet ist.

Doch warum erwähnen wir das Bier unter Indien für Anfänger? Nun, Indien ist anders, also ist natürlich auch das indische Bier anders! Du bist es gewohnt zu Hause schon mal 6 oder 7 Bierchen zu schlürfen? Vorsicht! In Indien ist es nämlich üblich, in das Gerstengebräu zusätzlich noch Glycerin zu mischen. Glycerin ist Zuckeralkohol, der zur Konservierung dienen soll. So weit so gut. Doch spätestens nach dem 2. Bier wirst du dich fühlen, also ob du mindestens das Dreifache konsumiert hättest. Dieser Effekt scheint sich mit weiteren Flaschen zu potenzieren.

Kingfisher ist nichts für Anfänger
Kingfisher – mehr als nur ein Bier

Kingfisher gibt es übrigens in den Ausführungen Premium, Strong und Extra Strong. Premium hat zwischen 4 und 5% Alkoholanteil, Strong irgendwas zwischen 5 und 8% und Extra Strong über 9%. Das ist übrigens keine Schätzung, so steht das tatsächlich auf den Flaschen. Offiziell weiß niemand etwas vom Glycerin, doch der Effekt ist selbsterklärend. Unser Tipp: Mach dich ab dem 3. Bier auf ein Blackout gefasst!

Indien ist kein Land das man liebt oder hasst. Eigentlich vermischen sich die beiden Gefühle dort und das alleine löst wahrscheinlich schon genug Faszination aus um immer wieder dorthin zurückzukehren! Wir hoffen dir mit dem Indien für Anfänger Beitrag deinen Einstieg in Incredible India zu erleichtern.

Mehr über Verhaltenstipps in Indien findest du unter https://weltreiseforum.com/blog/indien-10-dinge-die-du-wissen-musst-um-indien-zu-lieben/