Chumphon: Zugverpflegung & Nachtmarkt

Zugfood

Die Zugverpflegung der diesmal von uns zwangsweise gewählten 2. Klasse im Zug von Bangkok nach Chumphon, besteht einerseits aus Egg Stew, eine Art Eintopf, der in unserem Fall mehr an eine braune, süßlich schmeckende Suppe mit nicht definiertem Inhalt erinnert.

In der Mitte der Schüssel schwimmt ein braunes Hühnerei. Braun ist dabei üblich, da das Ei mit der bräunlichen Flüssigkeit des Stews gekocht wird und daher auch die Farbe annimmt. Optisch vielleicht eine kleine Hürde, weil der Anblick für uns Europäer ungewohnt ist, aber geschmacklich kein Hindernis. So weit weg sollte ein braunes Ei für uns auch nicht sein, immerhin färben wir jeden Frühling, wenn der Osterhase wieder mal vorbei schaut, unsere Eier in allen erdenklichen Farben. So weit so gut.

Wir graben tiefer, lassen den Löffel durch die braune Suppe gleiten. Es dauert nicht lange und es hat sich ein braunes, ziemlich gleichkantiges Stück auf den Löffel verirrt. Was mag es sein? Tofu? Der Geschmackstest kann das nicht bestätigen. Das Problem dabei, er kann nichts bestätigen oder zuordnen. Es ist auf jeden Fall kein Gemüse. Wir nehmen also die Plastikschüssel her und versuchen nachzulesen welche Inhalte sich im Stew verstecken. Siehe da, es ist Huhn. Wer hätte das gedacht. Es sieht nicht aus wie Huhn, es riecht nicht wie Huhn, es schmeckt auch nicht wie Huhn. Die Verpackung sagt aber, dass es eines ist. Bzw. war. Wir sind uns sicher, kein glückliches.

Wir stellen also fest, dass das schon erwähnte braune Ei bei weitem nicht das Seltsamste dieses kleinen Snacks ist. Als Essenstester wollen wir typische Küche probieren. Hier handelt es sich eben um typische Zugküche. Zumindest der höheren Klassen. Das haben wir also erledigt. Auf zur nächsten Plastikschüssel. Natürlich ist, wie hier üblich, alles feinsäuberlich in einzelne Plastikverpackungen abgepackt. Auf der Packung steht „Chicken Panang Curry“ geschrieben. Nun denn, es kann nur besser werden. Wir öffnen die Köstlichkeit und machen mal den optischen Test. Es sieht farblich zumindest aus wie Paenang Curry, also orange. Die Farbe hat aber bei dem Ei auch schon gepasst. Wir schreiten also zum Geschmackstest und sind uns schnell einig. Wer echtes Paenang Curry kennt, kann kaum glauben, dass dieses Etwas hier den gleichen Namen trägt. Dieses hier ist im Vergleich zum echten extrem dünnflüssig. Das Huhn sieht diesmal ein wenig mehr nach Huhn aus, von gut trotzdem weit entfernt. Ein riesiger Unterschied zur billigsten Zugklasse, dort bekommt man nämlich nur sehr gutes Essen zu einem geringen Preis von den diversen Essenshändlern serviert. Das nächste Mal werden wir wieder versuchen dort hin zu kommen.

Erste Aufgabe: Nachtmarkt finden

Am Weg zum Nachtmarkt in Chumphon, sind wir kurz verwirrt. Wo ist er denn geblieben, der Nachtmarkt? Laut der freundlichen Rezeptionistin unserer Unterkunft, öffnet er um 17 Uhr. Internetberichte und der Reiseführer bestätigen das. Zur Sicherheit haben wir vorher auch noch einen Blick auf Google Maps riskiert. Dort wo er eingezeichnet ist, befindet sich aber nichts. Nur eine bereits teilweise geschlossene, nicht sehr einladend aussehende Geschäftshalle.

So stehen wir also auf der Hauptstraße und sehen vermutlich ein wenig verloren aus. Entlang der Hauptstraße stehen vereinzelt Essensstände, das ist es. Sehr eigenartig. Wir schlendern also weiter die Hauptstrasse entlang, die Blicke immer um die nächsten Ecken gerichtet, irgendwo muss er sich ja verstecken. Während unserer Suche werden die beiden Seiten der Hauptstraße geschäftiger, immer mehr Stände und deren Betreiber sind zu sehen. Köstlicher Duft steigt uns in die Nase, der uns wie magisch anzieht. Plötzlich wird es uns klar: wir befinden uns bereits mitten im Geschehen, die Hauptstraße, oder zumindest ihre Seitenteile, ist der Nachtmarkt. In der nunmehr eintretenden Dunkelheit, erkennen wir immer mehr beleuchtete Stände, die bereits eifrig betrieben werden. Der Markt breitet sich dabei über etwa einen Kilometer, bis fast zum Bahnhofsgebäude aus. Ein typischer Fall von den Wald vor lauter Bäumen nicht erkennen. Nun ja. Wir haben ihn gefunden, den Wald.

Was wird hier geboten?

Langsam tasten wir uns voran. Was wird hier gekocht, geschmort, gebraten, frittiert? Das Angebot ist in der Tat vielfältig und weicht teilweise von dem in Bangkok ab. Regionale Unterschiede sind erkennbar. Der Hunger ist inzwischen bereits groß, das braune Zugei mit Beigaben war nicht wirklich befriedigend.

Wir beginnen mal mit ein paar gebratenen Spießen, ein kleiner Appetizer sozusagen. Gebratenes Huhn und gebratenes Schweinefleisch bieten die ersten Stände an. Wir nehmen beides.

Danach starten wir mit größeren Gerichten,startend mit gekochtem Huhn mit Reis. Eine wirklich sehr einfache und gute Speise, die eigentlich oft in der Straßenküche zu finden ist, jedoch, im Vergleich zu anderen Angeboten, ein wenig in der Wahrnehmung untergeht. Wir bestellen und machen es uns hinter dem Stand bequem. Auf der am Tag als Gehsteig genutzten Fläche, sind jetzt am Abend überall kleine Tische und Stühle aufgebaut. Jeder Stand hat dabei seinen eigenen Bereich und so entsteht ein sich über die gesamte Länge des Nachtmarktes erstreckender Gastgarten. Hinsetzen kann man sich dabei überall, es gilt nur zu beachten, zu welchem Stand der jeweilige Tisch gehört, es wird dann dort auch nur dieses eine Essen serviert. Es dauert nicht lange und schon steht ein dampfender Teller mit Reis und Huhn am Tisch. Dazu gibt es eine scharfe Sauce und ganz wichtig, Hühnersuppe. In der wurde das Hühnerfleisch gerade gekocht, nun können wir sie dazu löffeln.

Chumphon: Zugverpflegung & Nachtmarkt

Der erste Hunger ist gestillt, wir sind aber natürlich noch lange nicht am Ende. Weiter gehts. Nicht weit vom Hühnerstand entfernt, sehen wir plötzlich eine kleine Frau mit einem riesigen Wok hantieren. Sie wirft Zutaten hinein, befeuert ihn, rührt mit großen Kochlöffel um und schleudert den Inhalt teilweise in den dunklen Nachthimmel, um ihn dann wieder mit dem Wok aufzufangen. Sehr interessant, denken wir uns und treten näher. Was mag hier wohl gekocht werden? Die Lösung ist einfach, es handelt sich um Pad Thai. Auch eine altbekannte Speise, jedoch sind wir von der Zubereitungsart sehr angetan und schon sitzen wir wieder auf den kleinen Plastiksesseln hinter ihrem Stand. Die Zutaten können wir uns dabei aussuchen. An der Vorderseite des Standes können die Gäste zwischen Meeresfrüchten, Huhn, Schein, oder Gemüse wählen. Wir entscheiden uns für Red Pork.

Pad Thai with Red Pork
Pad Thai with Red Pork

Gesagt getan, schon sind die teilweise fliegenden Zutaten wieder in der großen Pfanne und werden zu Pad Thai vermischt. Unsere neugierigen Augenpaare lassen sie dabei nicht auch den Augen, zu faszinierend ist das Gebotene. Ein paar Minuten später steht es am Tisch und es bestätigt unsere hohen Erwartungen. Wir halten uns wieder an unsere Regel immer nur ein Gericht zu bestellen, damit wir mehr kosten können. Die Portionen sind hier aber relativ groß und deswegen sind wir auch schon ein wenig gesättigt. Ein Grund aufzuhören, aber nicht für uns! Zu viele verlockende Speisen werden angeboten.

Die nächste befindet sich ein paar Stände weiter und ist neu für uns. Vor dem hageren Koch türmt sich ein wahrer Berg ausgelöster Muscheln auf. Es sind wirklich sehr viele Muscheln. Daneben gehen die eigentlich ziemlich großen Kartons voll mit Hühnereiern fast unter. Was nicht zu übersehen ist, ist die riesige Pfanne. Diesmal kein Wok, sondern eine relativ flache Pfanne. Die Dimension erinnert uns an die großen, valencianischen Paellapfannen, die bei spanischen Volksfesten und einer deutschen Waschmittelwerbung zum Einsatz kommen.

Der Mann hinter Pfanne hat dabei 2 nicht minder riesige Metallschaufeln in der Hand. Was mag hier wohl entstehen? Wir sehen uns das Spektakel mal genauer an. Zuerst passiert eher Unscheinbares. Der Muschelberg wird mittels einer kleinen Schüssel etwas verkleinert, der Inhalt wandert direkt in eine andere Schüssel mit bereits vorbereitetem, noch flüssigem Teig und wird mit diesem verrührt. Anschließend landet die Mischung zischend und dampfend in der Mitte der Pfanne und wird mit Öl auf beiden Seiten angebraten. Dieser Vorgang wiederholt sich mehrmals, es gilt ja mehrere hungrige Mäuler gleichzeitig zu füllen. Nach ca. einer Minute werden die kleinen Teig-Muschel-Gebilde an den nicht so heißen Rand der Pfanne geschoben. Nun kommt das Gemüse. In die jetzt freie Mitte der Pfanne wird ein ganzer Haufen Mungosprossen befördert. Das zischt nochmal und dampft vor allem noch viel mehr als zuvor. Immer wieder lässt der enthusiastische Koch beim Wenden der Sprossen die riesigen Schaufeln laut auf die Pfanne fallen, das metallische Geräusch ist dabei am gesamten Markt zu hören.

Crispy Fried Mussles with Egg
Crispy Fried Mussles with Egg

Unsere Vorfreude auf das fertige Gericht ist zwar da, doch viel begeisterter sind wir von der Zubereitung. Ein echtes Highlight. Während die Sprossen erhitzt werden, bekommen die am Rand wartenden Teigförmchen noch einen Eiaufguss.

Das Gebilde erinnert jetzt an ein Omelett, aus dem ein bisschen Teig herausragt. Die Muscheln sind eigentlich so gut wie verschwunden. Die Mischung aus nunmehr Ei, Teig und Muscheln wandert mit Hilfe einer Schaufel auf den Teller, die Sprossen werden daneben platziert. Als Garnierung am Ei und optischer Kontrast, wird Koriander verwendet. Fertig, Essenszeit! Zufrieden blickt der thailändische Koch auf die noch zufriedeneren Gäste und leert schon die nächste Schüssel voller Muscheln in vorbereiteten Teig.

Das Meisterwerk
Das Meisterwerk

Wir essen alles auf, jetzt sind wir endgültig satt. Fast zu satt. Aber was soll man machen, wenn das Essen so gut schmeckt.

Chumphon: Zugverpflegung & Nachtmarkt